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Interview mit Chris Spooner

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CEO Sinclair IS Pharma

Herr Spooner, schildern Sie uns kurz Ihre berufliche Laufbahn. Was hat Sie bewegt, in der Welt der Dermatologie und Ästhetik Fuß zu fassen?

Ich komme aus einem Unternehmen, das in die Gesundheitsbranche investiert, also aus dem Finanzsektor. Ich wusste damals bereits, dass ich mein Leben nicht in der Finanzwelt verbringen will. Deshalb hielt ich Ausschau nach ganz speziellen Firmen. Firmen, die Potential haben und Wachstumsmärkte bedienen. Mit Sinclair Pharma habe ich die richtige Entscheidung getroffen. Sinclair war und ist ein innovatives, dermatologisches Unternehmen, das sich auf dem schnell wachsenden Markt der Ästhetik bewegt.

Sinclair Pharma konzentriert sich seit Neuestem auf den Ästhetikmarkt. Was war der Hauptgrund für die Entscheidung, neben Haut- und Wundpflegepräparaten auf Ästhetik zu setzen?

Ich betrachte das Feld der Ästhetik bei Sinclair Pharma nicht als separate, neue Sparte, sondern als Erweiterung unseres Portfolios, sozusagen als nächsten Schritt nach der Hautpflege. Wir waren schon immer in der Dermatologie zu Hause, deshalb fiel es uns auch nicht schwer, in den Ästhetikmarkt einzusteigen. Zudem haben Technologie und Gesetzesvorschriften gewisse Ähnlichkeiten. Als Geschäftsführer des Unternehmens sehe ich natürlich auch den Innovationsfaktor, das Wachstumspotential und den Profit dieser Sparte.

Im Gegensatz zu anderen Ästhetikunternehmen konzentriert sich Sinclair hauptsächlich auf die Bereiche Biostimulation, Neo-Kollagen-Synthese und Volumenaufbau. Was steckt dahinter? Ist der Marktanteil für Hyaluronsäure- und Botulinumtoxinpräparate nicht weitaus attraktiver?

Die Ästhetikbranche hat in den letzten Jahren einen enormen Sprung gemacht. Sie will ein größeres Publikum ansprechen. Was mehr und mehr gelingt, denn minimal-invasive Behandlungen sind nicht länger ein Tabu. Wir bei Sinclair Pharma sind der Meinung, dass Schönheit gesund und dem Alter entsprechend aussehen soll. Ein schönes Gesicht bedeutet also eine definierte Kinnlinie und Volumen in den Wangen. Form und Volumen eines Gesichtes stehen bei uns im Mittelpunkt. Die Falte als eine der Alterskomponenten spielt bei dieser Herangehensweise eine eher untergeordnete Rolle. Wir wollen mit unserem Sortiment ganze Behandlungskonzepte kreieren, die das Aussehen auf natürliche Weise optimieren: durch Stimulation von Kollagen Typ I und nicht nur durch das reine Auffüllen von Volumen.

Sinclair hat 2014 viele Akquisitionen abgeschlossen: Sie haben Perfectha®, Ellansé und Silhouette® gekauft. Bedeutet das nicht ein finanzielles Risiko für das Unternehmen?

In einem Wort: Nein! (lacht)
Dem Unternehmen geht es gut, es wächst rapide, wird nicht fremdfinanziert und steht auf solidem Grund.

Sie haben nicht nur die Verkaufs- und Marketingrechte, sondern auch gleich die Produktion für Ellansé™ und Perfectha® mit erworben. Bedeutet das, dass Sie die Produkte an die neuen Bedürfnisse des jeweiligen Marktes anpassen werden?

Wir haben bereits vor dem Kauf der Produktionsstätten begonnen, das Produktsortiment anzupassen. Unser Vorteil ist, dass wir seit Jahren unsere eigene Entwicklungsabteilung haben. Perfectha haben wir bereits so überarbeitet, dass es für den Behandler einfacher ist, das Produkt zu injizieren. Im Moment entwickeln wir eine Perfectha und eine Ellansé Version mit
Lidocain. Des Weiteren arbeiten wir an einem Ellansé Produkt für die USA. Was Silhouette betrifft, hier designen wir gerade eine Lösung, um die Fäden länger und stabiler zu machen. Dies ebnet dann neue Techniken für die Anwendung im Gesicht. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Entwicklung von Produkten für neue Behandlungsareale wie Arme, der Bereich oberhalb der Knie oder das Gesäß sein. Unser ultimatives Ziel ist, den ästhetischen Dermatologen und Chirurgen ganze Behandlungskonzepte an die Hand zu geben: eine Kombination aus minimal-invasiven Behandlungen, die für den Patienten den Vorteil haben, dass sie schnell wieder in ihren Alltag zurückkehren können.

Die neuen Produkte im Sinclair Portfolio sind in Märkten wie Asien und Südamerika äußerst gefragt. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

So pauschal kann man das nicht sagen. Wir sind aufgrund der längeren Produktzertifizierungsprozesse zum Beispiel noch nicht in China. In Asien sind wir in Südkorea gut aufgestellt und in Südamerika sind das Brasilien und Venezuela. Der Grund ist relativ schnell zusammengefasst. Diese Länder sind sogenannte ‘fast adopting markets’; sie greifen Trends unheimlich schnell auf.

Wie sehen Sie das Wachstumspotential in Europa?

Der Ästhetikmarkt liegt in Europa bei ca. 12 % Wachstum. Die Bereiche Fettabsaugung und Gewichtsreduktion zeigen Tendenzen nach oben. Die Nachfrage nach Brustvergrößerungen ist stabil. Hyaluronpräparate und Botulinumtoxin verzeichnen eine niedrigere Wachstumsrate im Vergleich zu Kollagenstimulantien. Silhouette wird sich hier schnell etablieren. Denn im Großen und Ganzen sehen wir den europäischen Markt positiv. Natürlich denken wir hier nicht in den Dimensionen von Asien oder den USA. Dennoch steht die Ästhetikbranche hier weitaus besser da als der Gesundheitsmarkt.

Wie sehen Ihre Pläne hinsichtlich des Markteintrittes in die USA aus?

In den USA sind wir ja bereits mit ein paar Produkten vertreten. Unser Ziel ist es, uns auf diesem Markt mit unseren Kollagenstimulatoren zu etablieren. Silhouette werden wir 2015 dort lancieren. Das hängt ein wenig von der Zeitschiene der FDA ab. Mit Ellansé starten wir 2017. Für den amerikanischen Markt vielversprechend ist zudem eines unserer medizinischen Produkte namens Flammacerium. Das ist ein Produkt für Patienten mit schwersten Verbrennungen. Ich erwähne das deshalb, weil ich es generell als sinnvoll und wichtig erachte, Sinclair Pharma als ein Ästhetikunternehmen zu sehen, aber gleichzeitig auch unseren medizinischen Background nicht außer Acht zu lassen. Denn durch diese Symbiose profitieren Produktqualität und -entwicklung sowie das Vertrauen in unsere Produkte.

Welches ist Ihrer Meinung nach das erfolgversprechendste Produkt?

So wie ich den Markt im Moment einschätze, ist es Silhouette. Wir haben im Oktober 2014 das Silhouette Soft Worldwide Expert Meeting in Barcelona veranstaltet. Dieser ging über 2 Tage und mit 1200 Ärzten aus der ganzen Welt war das Interesse an Silhouette enorm groß.

Eine letzte Frage: Haben Sie selbst schon eines der Ästhetikprodukte getestet?

(lacht). Ja, mehrere sogar. Für mich, ich bin jetzt 46 Jahre alt, war es eher der ethische Aspekt, der mich dazu bewog, unsere Produkte selbst zu testen. Ich wollte einfach wissen, wie sich die einzelne Behandlung anfühlt, ob sie weh tut und wie das Resultat aussieht. Ich würde jedoch niemandem sagen, dass er unbedingt eine ästhetische Behandlung machen sollte. Denn meiner Meinung nach ist das eine sehr persönliche Entscheidung. Meine Frau hat beispielsweise noch nie eine solche Ästhetikbehandlung machen lassen.