Behandler suchen

Bidirektionales Fadenlifting: Wirkweise & Indikationen

FACE-Bidirektionales-Fadenlifting-Cover

Autor: Dr. med. Navid Roshanaei
Aus der Fachzeitschrift: face

Das Thema Fadenlift wurde in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert. Nach dem Lifting mit permanenten Fäden und den entsprechenden Erfahrungen in Hinblick auf die Nebenwirkungen, gibt es seit Frühjahr 2013 ein Fadenlifting mit resorbierbaren Polymilchsäurefäden, das eine sehr sichere Methode zur Gesichtsstraffung und -konturierung darstellt.

Der Silhouette Soft-Faden (Fa. Sinclair) besteht aus zwei resorbierbaren Komponenten: dem eigentlichen Faden (Polymilchsäure) sowie resorbierbaren Kegeln (82 % Polymilchsäure und 18 % Glycol-Copolymer). Diese Bestandteile sind bezüglich der Kegel in 8 bis 10 Monaten und hinsichtlich des Fadens in 10 bis 12 Monaten resorbierbar.

Die Fäden sind entweder mit 8, 12 oder 16 Kegeln versehen, an jedem Faden befinden sich zwei Kegelreihen. Dabei hat jede Reihe die gleiche Anzahl von Kegeln, die in entgegengesetzter Richtung zum Ende des Fadens hin ausgerichtet sind – daher der Begriff bidirektional. Getrennt sind die Kegel durch kleine Knoten, zwischen denen sie in einem Abstand von 0,5 oder 0,8 cm frei schwebend liegen. Der mittlere Abschnitt des Fadens ist 2 cm lang und frei von Kegeln. Sowohl die Kegel als auch der Faden stimulieren eine Kollagenneogenese und werden langsam abgebaut.

Wirkweise

Das Fadenlifting zielt zum einen auf einen sofortigen Lifting-Effekt ab, zum anderen aber auch auf eine regenerative Wirkung. Sobald die Behandlung durchgeführt worden ist, kann der Behandler den zu korrigierenden Bereich dank der bidirektional angelegten Kegel durch Kompression des Gewebes modellieren und straffen.

Nach Einbringen der Fäden wirkt die Polymilchsäure im subkutanen Gewebe und stimuliert die Aktivierung der Fibroblasten und somit die Kollagenproduktion.

Die Anwendung

Das Einsetzen der Fäden erfolgt ambulant und dauert mit Vorbereitung im Schnitt ca. eine Stunde. Die geplanten Ein- und Austrittsstellen werden zunächst mit einem adrenalinhaltigen Lokalanästhetikum betäubt. Bei der Standardtechnik wird die Eintrittsstelle in der Mitte des Fadenverlaufes mithilfe einer 18G Nadel geschaffen.

Die Nadel zum Einbringen des Fadens ist direkt am Faden angebracht, flexibel, hat eine Dicke von 23G und eine Länge von 12 cm. Die Nadelspitze wird vertikal durch die Eintrittsstelle bis zu einer Tiefe von 5 mm in das subkutane Gewebe eingeführt.Sie verfügt bei 5 mm über eine gut sichtbare Markierung, sodass der Anwender einen validen Hinweis hat, wann er das subkutane Gewebe erreicht.

Anschließend wird die Nadel um 90 Grad gedreht und parallel zu der Hautoberfläche durch das subkutane Gewebe bis zur ersten Austrittsstelle geführt. Nachdem der letzte Kegel einer Kegelreihe des Fadens durch die Eintrittsstelle gezogen ist, wird das gleiche Prozedere mit der zweiten Fadenhälfte wiederholt.

Nach Einbringen des Fadens erfolgt die Kompression des Gewebes und das Ausrichten der Fäden, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Im Bereich des Fadenverlaufs können einzelne Einziehungen entstehen, die sich in der Regel nach 3 bis 7 Tagen zurückbilden.

Indikationen

Indikationen, die besonders geeignet sind und die vorhersehbare Ergebnisse liefern, sind die Ptosis der Haut im Midface-Bereich, der Verlust von Malarvolumen, die Ptosis der Kieferpartie und der Brauen sowie die Erschlaffung der Haut im Halsbereich. Besonders für die Definition der Kieferlinie sowie zur Anhebung der Augenbrauen gibt es, abgesehen von den operativen Verfahren, bis dato keine sinnvolle Alternative.
Weniger ideale Voraussetzungen sind sehr dünne Haut mit wenig Fettgewebe oder stark überschüssige Haut im Unterkiefer mit hypertrophischer Alterung.

Zusammenfassung

Das Fadenlifting mit Silhouette Soft-Fäden stellt eine Bereicherung der „noninvasiven“ Behandlungsmöglichkeiten in der ästhetischen Praxis dar. Auch Kombinationstherapien sind möglich und in den meisten Fällen sogar unabdingbar. Im Midface-Bereich ist häufig eine Kombination mit Fillern zielführend. Zur Behandlung von „Hamsterbäckchen“ sind mit vorhergehender Injektionslipolyse zufriedenstellende Ergebnisse zu erreichen. Selbstverständlich ersetzen dabei Kombinationen auch mehrerer Verfahren kein Facelift, aber es sind gute Ergebnisse möglich, welche ein Facelift hinauszögern. Besonders für Patienten, die einen operativen Eingriff ablehnen, ist dies eine interessante Möglichkeit.

Die Haltbarkeit des Ergebnisses wird vom Hersteller mit 18 bis 24 Monaten angegeben. Da das Fadenlifting auch die Kollagenneogenese fördert, ergeben sich natürlich individuelle Unterschiede in der Beständigkeit des Ergebnisses. Da es dieses Verfahren in Deutschland erst seit 2013 gibt, lässt sich die Frage der Haltbarkeit der Ergebnisse noch nicht abschließend beurteilen. Insgesamt jedoch hat das Fadenlifting noch sehr viel Entwicklungspotenzial und unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung.
Abzugrenzen ist dieses Verfahren von den sogenannten PDO-Fäden, welche ihre Wirkung überwiegend durch die Kollagenstimulation in der Haut erreichen, aber keine ernsthaft mechanische Wirkungskomponente aufweisen.

Silhouette Soft: Vorher/Nachher Beispiele


Der Artikel ist auch als PDF verfügbar.